Folgenreicher Umsturz in Frankreich am Ende des 18. Jahrhunderts, der ursprünglich die Durchsetzung freiheitlicher Ideale zum Ziel hatte
Führte unter anderem zum Sturz der Monarchie, einer Schreckensherrschaft bürgerlicher Revolutionäre und zu einem Krieg in ganz Europa
Die Mutter der Revolutionen
Die Französische Revolution ist die berühmteste Revolution in der Geschichte der Menschheit. Sie wurde ausgelöst durch den verzweifelten Versuch der Monarchie, einen finanziellen Zusammenbruch abzuwenden. Doch das misslang gründlich: Das Bürgertum, jahrhundertelang unterdrückt, veranstaltete einen Umsturz, der ganz Europa erschütterte. Die Französische Revolution lieferte das Muster für alle Revolutionen der Folgezeit: Befreiung, Krise, Krieg, Radikalisierung, Diktatur, Terror, Reaktion und Restauration. JK
Zusammenfassung der Französischen Revolution
Der Ballhausschwur am 20. Juni 1789 ist das erste große Zeichen des Aufstands. Die Vertreter der Bürger in den Generalständen (der Dritte Stand) rebellieren gegen eine Order des Königs und tragen ihren ersten Sieg davon. Knapp einen Monat später zeigt der Sturm auf die Bastille, dass eine wahrhafte Revolution stattfindet. Die meisten Adligen fliehen aus dem Land. Ludwig XVI bleibt König, wird aber faktisch ein Gefangener der Revolution. 1791 wird Frankreich offiziell eine konstitutionelle Monarchie. Aber ein König, der aus dem Land flüchten wollte, ist als Staatsoberhaupt nicht akzeptabel. Immer lauter wird der Ruf nach der Republik, und am 10. August wird der Tuilerienpalast gestürmt und das Königtum in Frankreich abgeschafft.
Nach der Abschaffung des Königtums wird die Republik ausgerufen - das Volk ist jetzt der offizielle Souverän. Ein neues Parlament wird gewählt (der Nationalkonvent). Zunächst bestimmen die bürgerlich-liberalen Girondisten die Politik. Sie zeigen aber schon bei der Abstimmung über den Tod des Königs Unentschlossenheit. Und die junge Republik gerät zusehends in Gefahr: Die Provinzen rebellieren gegen die Revolution und die Armeen der Monarchien Europas stehen im Land. Die Revolutionäre radikalisieren sich: Die gemäßigten Girondisten werden hingerichtet, der Wohlfahrtsausschuss unter Robespierre bekommt diktatorische Vollmachten und setzt den Terror als Mittel der Politik ein. Das Revolutionstribunal fällt täglich Todesurteile. Als der Schrecken erste Erfolge zeitigt, organisiert sich der parlamentarische Widerstand gegen Robespierre, der eine grundlegende Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse will. Am 9. Thermidor II (27. Juli 1794) wird Robespierre verhaftet und am folgenden Tag geköpft.
Mit dem Sieg der Thermidorianer übernehmen Abgeordnete die Führerschaft, die sich auf die ursprünglichen, bürgerlich-liberalen, aber konsequent antiroyalistischen Ziele der Französischen Revolution berufen. Die soziale Gesetzgebung der Jakobiner wird rückgängig gemacht. Zwei letzte Volksaufstände gegen den Hunger und für Demokratie scheitern. Das Bürgertum wählt ein Direktorium von 5 Männern als Exekutive. Diese Regierung behauptet sich gegen Jakobiner und Monarchisten und kann sich immerhin 4 Jahre halten, wenn auch nur durch wiederholte Verfassungsbrüche. Der populäre General Napoleon Bonaparte weiß jedoch den schlechten Ruf des Direktoriums für sich auszunutzen und übernimmt am 18. Brumaire VIII (9. November 1799) die Macht. Er erklärt die Französische Revolution für beendet.
Chronologie der Französischen Revolution
1788
8. AugustLudwig XVI ruft - erstmalig seit über 170 Jahren - für den Mai des folgenden Jahres die Generalstände ein: ein Parlament mit Vertretern des Klerus (Kirche), des Adels und des Dritten Standes (Bürger), um sich eine Legitimation für neue Steuern zu schaffen, die einen Ausweg aus der finanziellen Krise des Ancien Régimes ermöglichen sollen
20. Juni Die Vertreter des Dritten Standes erklären sich zur Nationalversammlung und beginnen mit der Ausarbeitung einer Verfassung (Ballhausschwur)
14. JuliErstürmung der Bastille in Paris, in der Folgezeit kommt es im ganzen Land zu Ausschreitungen gegen die Obrigkeit, viele Adelige fliehen aus Frankreich
26. August Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte durch die Nationalversammlung
6. Oktober Die Königsfamilie wird gezwungen, nach Paris umzusiedeln; auch die Nationalversammlung verlegt ihren Sitz in die Hauptstadt
2. November Verstaatlichung der Kirchengüter
1791
21. Juni Ein Fluchtversuch der Königsfamilie scheitert, der König bleibt jedoch im Amt
14. SeptemberLudwig XVI leistet den Schwur auf die Verfassung, die Frankreich zu einer konstitutionellen Monarchie macht
1792
20. April Frankreich erklärt Österreich den Krieg
11. Juni Nach militärischen Niederlagen erklärt das Parlament "das Vaterland in Gefahr"
10. AugustSturm auf das Königsschloss in Paris, der König flieht ins Parlament und wird mit seiner Familie inhaftiert, Suspendierung des Königtums
Anfang September Lynchmorde an den Inhaftierten der Gefängnisse in Paris (Septembermassaker)
3. - 15. September Wahlen zum Nationalkonvent nach allgemeinem Männerwahlrecht
22. September Der neu gewählte Nationalkonvent erklärt Frankreich zur Republik
6. April Gründung des Wohlfahrtsausschusses, der nach und nach immer mehr Vollmachten bekommt und sich zur eigentlichen Revolutionsregierung entwickelt
2. Juni Verhaftung führender bürgerlich-liberaler Girondisten, Sieg der radikalen Montagnards, die von nun an die Politik im Nationalkonvent bestimmen
5. Oktober Einführung des Revolutionskalenders, der den Beginn der Zeitrechnung auf den Tag der Republikgründung (22. September 1792) festlegt, Einführung der Dezimalzeit
10. Oktober Die Regierung wird für "revolutionär bis zum Friedensschluss" erklärt
8. Juni Fest des Höchsten Wesens in Paris unter Leitung von Robespierre, der damit die Einführung einer neuen Staatsreligion als Ersatz für das Christentum versucht
10. November Die beiden Parlamentskammern lösen sich unter dem Druck der von Napoleon geführten Truppen auf und erklären ein Konsulat (Napoleon, Sièyes, Roger Ducos) zur Regierung der Republik
15. Dezember Der Erste Konsul Napoleon erklärt die Französische Revolution für beendet
31. Dezember Letzter Geltungstag des Revolutionskalenders, Wiedereinführung des Gregorianischen Kalenders
Zitate
Nein, Sire, das ist eine Revolution. Reaktion des Duc de La Rochefoucauld-Liancourt auf die Feststellung Ludwigs, dass es sich beim Sturm auf die Bastille um eine Revolte handelt.
Man ist nicht Revolutionär, man wird es. Lazare Carnot
Die Revolution ist wie Saturn, sie frisst ihre eigenen Kinder. Die letzten Worte von Pierre Vergniaud, führender Girondist, vor seiner Hinrichtung am 31. Oktober 1793
O Freiheit, welche Verbrechen geschehen in deinem Namen! Die letzten Worte Mme. Rolands
Die revolutionäre Regierung schuldet allen guten Bürgern den ganzen Schutz der Nation; den Feinden des Volkes schuldet sie den Tod. Robespierre, 25. Dezember 1793 (4. Nivôse II)
Bürger, die Revolution hält an den Grundsätzen fest, die an ihrem Anfang standen. Sie ist beendet. Erklärung des provisorischen Konsulats (Napoleon, Roger Ducos, Sieyès) vom 15. Dezember 1799 (24. Frimaire VIII)
Fundstellen
Die Zeitrechnung der Revolution wurde verkündet, sie begann mit dem 22. September 1792 als dem ersten Tag des Jahres I, den Revolutionären aller Welt anzeigend, dass ein unerhörter, frühlingshafter Abschnitt der Geschichte der Menschheit begonnen habe. Otto Zierer: Robespierre, S. 397
Man muss vorläufig auf das Regieren nach der Verfassung verzichten. Man muss die normalen Rechtsgarantien, die den Staatsbürger schützen, beiseitelassen. Man muss zum Mittel der Notstandsdiktatur greifen. Das alles heißt in der Geschichte "Revolutionsregierung". François Furet: Die Französische Revolution, S. 287 (über den Wohlfahrtsausschuss)
Wen das Revolutionstribunal am Vormittag verurteilt, der wird noch am gleichen Nachmittag zum Tod geführt. Er hat nicht lange zu warten. Schlimmer ist es für den, der nach der Mittgspause verurteilt wird. Er darf erst am nächsten Tag sterben. Friedrich Sieburg: Robespierre, S. 239