Der Sicherheitsausschuss (Comité de sûreté générale) war ein mächtiges Organ der Schreckensherrschaft. Das Gremium aus zwölf Männern – darunter Amar, Vadier und Voulland – beherrschte Polizei und Justiz. Es entschied täglich über Freiheit, Haft oder Tod. Robespierres Wohlfahrtsausschuss hingegen beanspruchte die politische Führung der Republik. Zwei Ausschüsse, zwei Machtansprüche. Im April 1794 brach der Konflikt offen aus. Als der Wohlfahrtsausschuss ein eigenes Polizeibüro schuf, war dies ein direkter Angriff auf die Kompetenzen des Comité de sûreté générale. Amar und Vadier reagierten mit offener Feindschaft. Der Sicherheitsausschuss spielte schließlich eine zentrale Rolle beim Sturz Robespierres. In der Folgezeit verlor der Wohlfahrtsausschuss einen Großteil seiner Befugnisse. Der Sicherheitsausschuss dagegen bewahrte seine Macht bis zur Auflösung des Nationalkonvents. JK
1792 - 1795
2. Oktober 1792 · Der Nationalkonvent beschließt die Bildung eines Ausschusses für die Überwachung der inneren Sicherheit des Staates: Comité de sûreté générale.
6. April 1793 · Das Parlament setzt einen neuen Ausschuss ein, der umfassende Vollmachten erhält: Comité de salut publique (Wohlfahrtsausschuss). Dessen Aufgaben überschneiden sich teilweise mit denen des Sicherheitsausschusses.
September 1793 · Dem Sicherheitsausschuss gehören jetzt 12 Mitglieder an, unter anderem Amar, Vadier, Voulland, Dubarran, Lebas und David. Bis zum Sturz Robespierres bleibt die Zusammensetzung unverändert.
November 1793 · Der Sicherheitsausschuss verteilt seine internen Aufgaben. Je drei Mitglieder sind für eine von vier Regionen zuständig (Paris, Nord/Nordost, Südost, West/Zentrum).
4. Dezember 1793 · Der Nationalkonvent überträgt dem Sicherheitsausschuss die Leitung der Revolutionskomitees.
April 1794 · Nachdem der Wohlfahrtsausschuss ein eigenes Polizeibüro für die Kontrolle der staatlichen Verwaltung eingerichtet hat, kommt es zu Streitigkeiten zwischen beiden Ausschüssen.
10. Juni 1794 · Couthon setzt im Nationalkonvent ein neues Gesetz zum Revolutionstribunal durch, das den Großen Terror einleitet (Gesetz vom 22. Prairial) – ohne vorher den Sicherheitsausschuss konsultiert zu haben. Die Spannungen zwischen den Mitgliedern der beiden Regierungsorgane verschärfen sich daraufhin erneut.
15. Juni 1794 · Vadier trägt im Namen des Sicherheitsausschusses einen Bericht über die Affäre Théot vor, mit der er indirekt Robespierre aus dem Wohlfahrtsausschuss angreift.
22. Juli 1794 · Beide Ausschüsse treten das letzte Mal zusammen und einigen sich auf pragmatische Kompromisse, die das gegenseitige Misstrauen aber nicht beseitigen.
27. Juli 1794 · Die Mitglieder des Sicherheitsausschusses (mit Ausnahme von Lebas und David) beteiligen sich aktiv am Sturz Robespierres. Am folgenden Morgen setzt Dubarran im Namen beider Komitees die sofortige Hinrichtung der Verschwörer ohne Gerichtsurteil durch.
24. August 1794 · Der Konvent verteilt die exekutiven Befugnisse auf 16 Ausschüsse, bekräftigt aber zugleich die Zuständigkeiten des Sicherheitsausschusses. Bis zum Ende seiner Amtszeit bewahrt das Komitee seine politische Macht.
26. Oktober 1795 · Letzte Sitzung des Nationalkonvents. Auch der Sicherheitsausschuss löst sich auf.
Zitate
Wir müssen viel Rot anrühren. David, 1793.
Eine Horde von Schelmen, die von Amar und Jagot begönnert werden. Robespierre in seiner letzten Konventsrede über die Beamten des Sicherheitsausschusses, 26. Juli 1794.
Das Revolutionstribunal wird unverzüglich das gestern erlassene Dekret gegen die Abgeordneten vollstrecken, die als Verräter am Vaterland erklärt und außerhalb des Gesetzes gestellt worden sind. Dubarran, 28. Juli 1794, 9 Uhr morgens.
Le Moniteur
Octidi, 8 Nivôse, l'an 2 de la République Française, une et indivisible (28. Dezember 1793)